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6. Verhaltensregeln für Kurven

Wenn Sie manche GPL Fahrer beobachten könnten Sie vielleicht den Eindruck bekommen, dass die Regeln für das Durchfahren von Kurven in etwa so sind, "Egal wie viel Platz frei ist - ich habe das Recht mich hinein zu drängeln.“ Nun, so nicht...  Es gibt Verhaltensregeln für Kurven. Diese gelten nicht nur für GPL oder Rennsimulationen, sondern auch für alle Arten des realen Motorsports, von der Formel Ford bis zur Formel 1 und alles dazwischen. „Was!“, sagen Sie? „Sie meinen ich habe nicht das Recht mich in jede Lücke zu drängen die ich sehe?“ Nein, tatsächlich nicht. Falls Sie bei einem realen Rennen so fahren würden wie bei GPL, würde man Sie sogar aus der niedrigsten Rennklasse ausschließen, anstatt Sie für einen genialen Rennfahrer zu halten. Einige Dinge die Sie täglich bei GPL sehen werden in der Realität nicht toleriert, da dort reale Autos beschädigt werden, reales Geld für die Reparaturen aufgebracht werden muss und weil reale Leben auf dem Spiel stehen.
 
Das Prinzip ist kurz gesagt, Sie müssen vor dem Kurveneingang mindestens auf gleicher Höhe mit dem gegnerischen Auto sein, damit Sie das Recht haben, dass der gegnerische Fahrer einen Freiraum für Sie lässt. Wahrscheinlich sollten Sie sich noch weiter vor dem gegnerischen Auto befinden, als nur auf gleicher Höhe. Der gegnerische Fahrer hat das Recht auf der Ideallinie zu bleiben, so lange die Autos am Kurveneingang nicht auf gleicher Höhe sind.
 
Wenn die beiden Autos am Kurveneingang nicht auf gleicher Höhe sind, hat der hintere Fahrer das Recht auf Freiraum. Der vorausfahrende Fahrer kann natürlich immer noch um die Position kämpfen, muss dies aber auf einer äußeren Linie machen, um dem hinteren Fahrer den nötigen Freiraum zu gewähren.
 
Auf dem unteren Bild sehen Sie, dass die Autos nach dem Kurveneingang (scheinbar) auf gleicher Höhe sind. Es ist tatsächlich so, dass die Autos durch das Einlenken nur scheinbar auf gleicher Höhe sind und nicht weil ein Auto schneller ist als das andere, oder eines das andere ausbremst. Auf den Positionen 1), 2) und 3) sehen Sie anhand der blauen diagonalen Linien, dass der Lotus zu keiner Zeit auf gleicher Höhe mit dem Eagle ist.  Wenn Sie aber die Positionen der Autos anhand der roten Linien vergleichen sehen Sie, dass sich der Lotus auf Position 2) auf Höhe des Hinterrades und auf Position 3) auf halber Höhe des Eagle befindet. Dieser Eindruck ist natürlich falsch, da der Lotus den Eagle nicht ausgebremst oder augbeschleunigt hat, was Sie hoffentlich anhand dieser Abbildung sehen können. Leider glauben viele Fahrer in dieser Situation, dass sie eine Art Ausbremsgenie sind, obwohl sie den anderen Fahrer überhaupt nicht ausmanövrieren. Es ist eine geometrische Illusion die nichts mit dem Können des Fahrers zu tun hat. Wenn sie den anderen wirklich ausbremsen könnten, dann hätten sie den anderen Fahrer bereits vor dem Einlenkpunkt der Kurve überholt und nicht danach.
 
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1) Vor dem Einlenkpunkt ist der Lotus nicht auf gleicher Höhe mit dem Eagle, deshalb hat der Lotus kein Recht die Ideallinie des Eagle in irgendeiner Weise zu stören.
 
2) Aber wie es so oft passiert sieht der Lotus den Freiraum auf der Innenseite und glaubt er kann diesen nutzen, in der Annahme er sei mit diesem Manöver ein talentiertes Rennfahrer Genie.
 
3) Der Lotus kann scheinbar auf gleicher Höhe mit dem Eagle zu sein. Wo er aber nicht sein sollte.
 
4) Der Lotus erreicht schließlich sein Ziel, den Eagle nach Außen abzudrängen, der wiederum einen Unfall vermeiden möchte – falls er kann.
 
5) Wenn der Eagle aber auf seiner Linie bleibt, wozu er berechtigt ist, passiert das was so häufig passiert.
 
Tatsache ist, dass der Eagle das Recht hat auf der Ideallinie zu bleiben. In diesem Fall sollte der Innenbereich Sperrgebiet für den Lotus sein. Der Lotus hätte hinter dem Eagle durch die Kurve fahren müssen. Natürlich enden spät bremsende Fahrer oft in den Strohballen, aber hoffentlich ohne dass sie jemanden mitreißen.
 

Sie fragen sich vielleicht wie das oben erwähnte Problem der toten Winkel damit zusammenpasst, Freiraum für Autos zu lassen, die plötzlich in Ihren Spiegeln auftauchen. Nun, falls ein Auto nicht vor dem Kurveneingang auf Ihrer Höhe ist, sollte es nicht auf die innere Linie verschwinden sondern hinter Ihnen bleiben. Falls es auf Ihre Innenlinie verschwinden will, sollte es das tun bevor Sie den Einlenkpunkt erreichen. Falls das Auto nach dem Einlenkpunkt auf Ihre Innenlinie verschwindet liegt es an Ihnen wie Sie reagieren. Sie können auf Ihrem Recht bestehen und einen Kontakt riskieren, oder Sie lassen (wiederwillig) Abstand weil Sie keinen Unfall riskieren wollen.
 
Eine Ausnahme ist, wenn ein vorausfahrender Fahrer einen ausreichenden Fehler gemacht hat der ein Überholmanöver rechtfertigt. Z.B. er bremst zu spät, so dass er am Scheitelpunkt weit nach Außen getragen wird und seine Geschwindigkeit reduzieren muss. Das wäre eine legitime Überholgelegenheit, unabhängig davon ob es vorher eine Überrundung gab. Jedenfalls hat der Überholende trotzdem dafür zu sorgen, dass er vernünftig und mit aller Vorsicht überholt.
 
Allerdings können kleine Fehler des vorausfahrenden Fahrers nicht ausreichend sein um ein sicheres Überholen zu gestatten. Nur weil der vorausfahrende Fahrer manchmal etwas von der Ideallinie abkommt gibt Ihnen das nicht automatisch das Recht, dass Sie versuchen zu überholen. Sie müssen immer noch abwägen ob dessen Fehler eine ausreichende Möglichkeit für ein sicheres Überholmanöver bietet.
 
So lange es sich um eine echte Kopf an Kopf Situation handelt gilt im allgemeinen für das Durchfahren der Kurve für beide Autos...
Das Auto auf der Außenseite hat bis zum Ausgang der Kurve das Recht auf die äußere Hälfte der Strecke. Es sollte am Ausgangspunkt der Kurve nicht an den Rand gedrückt werden.
 
Das Auto auf der Innenseite hat bis zum Ausgang der Kurve das Recht auf die innere Hälfte der Strecke. Es sollte am Scheitelpunkt der Kurve nicht auf die Innenseite gedrückt werden.
 
 
 
Nachdem das alles gesagt wurde, muss man hinzufügen, dass die Verhaltensregeln in Kurven keine exakte Wissenschaft sind. Es gibt verschiedene Variablen. Hier wurde nur das Grundkonzept einer allgemein gültigen Etikette vorgestellt. Sogar im realen Leben, mit vollem Blickfeld, allen physikalischen Rückmeldungen, unbegrenzt FPS („Frames Per Second“ = Bilder pro Sekunde) und Auflösung, ist es für reale Fahrer nicht unüblich damit Probleme zu haben und gewöhnlich zu sagen, es sei der Fehler des anderen gewesen. Bei GPL ist es wegen der großen toten Winkel noch mehr dem Zufall überlassen. (Man kann jedoch auch hier die Realität simulieren in dem man sagt es war der Fehler des anderen Lächelnd ).